Ein Schiffsmodell entsteht

Wie bei vielen Anschaffungen, Investitionen beginnt auch das Schiffsmodell mit Sehen, Interesse, Bauchgefühl - will ich haben...

Der erste Schritt  nach dem Wunsch ist die Recherche und Beschaffungen von Informationen. Das www leistet hierbei unschätzbare Dienste, dennoch kommt es vor, dass weiterführende Recherchen kaum möglich sind. Ab und an helfen Reedereien und Werften bei der Beschaffung von Zeichnungen, Plänen und weiteren Informationen. 

 Vielen Dank hierfür!

Nach der ersten Recherche wird der Maßstab des Modells geplant und damit die Größe.  Hierbei spielen oft persönliche Fertigkeiten, Detailvielfalt und Einbau von Technik und Sonderfunktionen ebenso eine Rolle wie die Infrastruktur des Modellbauers. Reicht meine Werkstatt, wie groß ist das Schiff, wie schwer wird es werden - kann ich das noch alleine händeln oder brauche ich Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde wenn ich mal mit dem Modell ans Wasser will.

Je nachdem welcher Schiffstyp geplant ist, liegen die gebräuchlichsten Maßstäbe zwischen 1:10 und 1:100. Der Maßstab gibt an in welchem Verhältnis das Modell zum Original erstellt wird. 1:10 bedeutet dass dass Modell entsprechend 10 mal kleiner als das Original ist - 1:100 entsprechend 100 mal kleiner.

Ich bevorzuge für meine Modelle meist die Maßstäbe zwischen 1:25 und 1:50. So entsteht im Laufe der Zeit eine kleine Flotte, die maßstäblich in etwa zusammenpasst. Diese Maßstäbe bieten auch viele Möglichkeiten Details des Original noch "analog" also manuell zu erstellen um so das Modell noch attraktiver zu gestalten.

Weitere Recherchen folgen, so z. B. ob es zum gewünschten Modell vorgefertigte Teile wie Rümpfe, Aufbauten oder Details zu kaufen gibt, oder ob alles anhand von Planzeichnungen und Fotos selbst angefertigt werden muss. 

 

 

GFK-Rümpfe

erleichtern und beschleunigen den Modellbau enorm.

Der Bildausschnitt zeigt den GFK-Rumpf des Polizeibootes  Afrikahöft, das ich als letztes Projekt 1998 begonnen habe. Der Rumpf wurde seinerzeit aus Holz auf Spanten erstellt. Nach Fertigstellung und Lackierung des Modells wurde mittels Formbauharz eine mehrteilige Negativform erstellt. Aus dieser wurde dann der Rumpf laminiert.

Diese Vorgehensweise lohnt nur, wenn mehrere Rümpfe für Modellbaukollegen oder innerhalb eines Vereins gefertigt werden sollen.

Modellrumpf eines Binnenschiffes

erstellt aus einer GFK-Form. Als Besonderheit wurde der Rumpf in der Mitte auseinander gesägt und ein separates Teilstück mit 17 cm Länge wieder eingefügt. So konnte der gewünschte Maßstab 1:50 erreicht werden. 

Rumpf wird auf Spant selbst erstellt 

Von den Plänen werden die Spanten auf Sperrholz übertragen und anschließend ausgesägt.

 

Anschließend werden die Spanten auf einer Helling auf den Kiel gesetzt. Es folgt die Beplankung aus Holz. Hier werden Stärken zwischen 1 und 3 mm Sperrholz - ja nach Größe und Gewicht des Modell verwendet

Der Bootsständer

zu einem ansehnlichen Modell gehört auch ein ansehnlicher Bootsständer. Diese erstelle ich in der Regel aus 10 mm Sperrholz. Hierbei wird der Spantenriss erneut auf das Sperrholz übertragen und dann negativ ausgeschnitten, so dass der Rumpf "bequem" darin liegen kann. Das Sperrholz wird anschließend gebeitzt und mit Klarlack lackiert. Um dem Bootsunterbau die nötige Statik zu geben, setze ich in entsprechenden Abständen Alu-Rohr dazwischen. In das Rohr wird eine Gewindestange eingeschoben. Abschließend werden die Spanten auf Abstand verschraubt. 

Ein Aufwand der sich lohnt...

Die Aufbauten

Die Aufbauten erstelle ich in der Regel aus Polystyrol-Kunststoffplatten verschiedener Stärken. Polystyrol lässt sich einfach bearbeiten und verkleben. Man erzielt glatte Oberflächen ohne viel zu schleifen.

Dabei werden die Zeichnungen auf die Kunststoffplatten übertragen und mittels Stahllineal und Teppichmesser - unter Vermeidung von Verletzungen und daraus resultierenden Rotfärbungen - ausgeschnitten und mittels Kunststoffkleber regelrecht verschweißt. 

Die Details

Je Größer der Maßstab umso leichter lassen sich Details nachbauen.

 

auf dem Foto sehen Sie ein Torpedorohr nach entsprechender Recherche und Erweiterung des ursprünglichen Torpedorohrs. 

'Als Materialien werden meist Kunststoffrohre, -Platten und -Profile verwendet. Ebenso Messing oder Aluminium.

Obiges Bild zeigt eine 40 mm Bofors-Kanone des japanischen Schnellbootes 811 (Original) Der Name des Baukaustens eines namhaften Herstellers war seinerzeit PT 15.

Natürlich stößt man im analogen Modellbau auch irgendwann an die Grenzen des Machbaren. Doch bis es soweit ist... hat man einiges zu tun ;-) 

Lackierung

nachdem alle Teile erstellt und provisorisch platziert wurden, wird das Modell nochmals demontiert, und sämtliche Teile lackiert.

Es kommen handelsübliche Farben auf Wasserbasis oder Kunstharzbasis zur Verwendung. Ob man Spraydosen verwendet oder mit einer Spritzpistole (Airbrush) arbeitet bleibt dabei jedem selbst überlassen. Doch zeigt die Realität, dass nicht alle benötigten Farbtöne in Spraydose erhältlich sind 

nach der Lackierung wird die Beschriftung des Modells aufgebracht. Zur Herstellung der Klebebuchstaben gibt es im web viele Anbieten.

Decals wie Tiefgangsmarken, Freibordmarken und sonstiges kann man mittlerweile für viele Maßstäbe im Fachhandel beziehen.

Nun geht es ans abschließende Zusammensetzen und zur festen Montage des Modells mit allen Teilen und restlichen Ausrüstungsgegenständen. Hierzu gehört auch die Inbetriebnahme der Sonderfunktionen wie Beleuchtung, Sound-Generatoren und sonstigen technischen Feinheiten.

 

Der große Tag

Endlich kommt der Tag...

nach vielen Stunden, Blut, Schweiß, und Nerven, vielen Bauteilen und Probefahrten im Rohbaumodus folgt dann endlich der Tag des Wasserns...

Dieses Gefühl der Entspannung nach dem Bau, das Loslassen können, nicht mehr im 100% Modus für den Bau funktionieren zu müssen ist einfach unbeschreiblich. Man ist stolz auf sich und seine Leistung....

Aber wie so oft....

nach dem Bau ist vor dem Bau :-)